Bushido, Samurai etc.
Part I

Japanische Kultur in der Genroku-Zeit


Japanische Kultur um 1700

In der Einleitung zu seiner Übersetzung ins Englische des berühmten Stückes „Kanadehon Chushingura“ (仮名手本忠臣蔵, auch bekannt als "Die Rache der 47 Ronin") beschreibt der Übersetzer Jukichi Inoue die gesellschaftliche Situation in Japan um 1700. Er wendet sich dabei speziell an die westlichen Leser.
Wir erfahren so, wie ein japanischer Autor im Jahr 1910 die eigene ältere und jüngere Vergangenheit sieht.
Inoue verwendet die damalige japanische Rechtschreibung, als die Silbe "ye" noch verwendet wurde. Heute schreibt sich der Autor nicht mehr "Inouye" sondern "Inoue", so wie aus der alten Schreibweise "Uyeshiba" die heutige Schreibweise "Ueshiba" geworden ist.

Jukichi Inoue

Jukichi Inoue (井上十吉, 1862 - 1929) war ein japanischer Anglist, Ingenieur, Lehrer und Regierungsbeamter der Meiji-Zeit.
Auf Befehl seines Lehnsherrn immatrikulierte er sich 1871 an der Keio-Universität in Edo. Nach dem Abschluss 1873 begleitete er seinen ehemaligen Lehnsherrn Hachisuka Shigeaki als einer von sieben ausgewählten Studenten zu einem Auslandsstudium nach England. Er war der Jüngste der Gruppe.
Ab 1873 besuchte er die Londoner Grundschule und danach verschiedene Eliteschulen. Er wurde für seine Leistungen ausgezeichnet. 1879 begann er ein Studium am King’s College London und wechselte 1881 zur Royal School of Mines, wo er Bergbau und Metallurgie studierte.
1883 kehrte er nach Japan zurück und wurde als Ingenieur in der Innai-Silbermine angestellt.
Im folgenden Jahr wurde er Versuchsassistent an der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Tokio. 1886 wurde er Lehrer an der Ersten Höheren Mittelschule und unterrichtete zunächst Mathematik, wechselte aber aufgrund seiner mangelnden Japanisch Kenntnisse zum Englischunterricht. 1893 ging er in den Ruhestand.

Danach arbeitete er als Reporter für die Yokohama Japan Gazette. Er wechselte 1894 als Übersetzer ins Aussenministerium. Um diese Zeit begann er, zahlreiche Werke in englischer Sprache und Übersetzungen aus dem Japanischen zu veröffentlichen. Ab 1898 war er ins Ausland abgeordnet, darunter nach Belgien, den Vereinigten Staaten und Schweden.
1918 zog er sich zurück, um sich dem Schreiben zu widmen. 1921 veröffentlichte er das „Inoue Japanisch-Englische Wörterbuch“ und erstellte über zehn weitere Wörterbücher. Ausserdem veröffentlichte er das erste Englisch-Lehrbuch. Darüber hinaus widmete er sich der Verbreitung der japanischen Kultur und übersetzte zahlreiche Werke in Englische, wie z.B. das „Kanadehon Chushingura“.
Quelle: Jap. Wikipedia

Kanadehon Chūshingura (仮名手本忠臣蔵)


"Das Schatzhaus der treuen Gefolgsleute" ist ein Bunraku-Puppenspiel aus dem Jahr 1748. Es erzählt die "Geschichte der 47 Ronin" und zählt zu den beliebtesten japanischen Theaterstücken.
Am 20. März 1703 wurden 46 Rōnin vom Shōgun zum Seppuku verurteilt. (Der 47. war unterwegs und wurde später begnadigt). Zwei Wochen später wurde in Edo ein Kabuki-Stück über diese Geschehnisse uraufgeführt, das aber von der Obrigkeit sofort verboten wurde.
1706 schrieb der grosse Dramatiker Chikamatsu ein Puppenspiel unter Verwendung des Stoffes. Die Handlung war allerdings in das 14. Jahrhundert verlegt und die Namen der Beteiligten waren geändert.
Drei Jahre später feierte das Chūshingura der Autoren Takeda Izumo, Miyoshi Shoraku und Namiki Senryu in der Region Kyoto-Osaka Premiere. Dort war die Zensur offensichtlich weniger streng.
Das Stück war ein augenblicklicher Erfolg und wurde schnell unzählige Male imitiert. Zwischen 1706 und 1748 erschienen jährlich neue Varianten.

1 Die Besonderheiten der japanischen Sprache

Jukichi Inoue schreibt in der Einleitung zu seiner Übersetzung:

Sprache, das Medium durch welches Gedanken ausgedrückt werden, ruft nicht selten unterschiedliche Eindrücke bei verschiedenen Personen hervor, insbesondere, wenn es sich nicht um die Muttersprache des Zuhörers handelt. Wir erfassen zwar den allgemeinen Sinn dessen, was uns in einer Fremdsprache gesagt wird, verstehen aber nicht so leicht die tieferliegende Bedeutung. Beim Lesen eines Romans fällt es uns möglicherweise schwer, zwischen einer nationalen Eigenart und einer persönlichen Marotte zu unterscheiden. Rhythmus und Kadenz der Poesie sprechen uns vielleicht nicht an und wir nehmen humorvolle Sprache womöglich zu ernst oder verwechseln das Vulgäre und Derbe mit dem Raffinierten und Eleganten.
Die japanische Sprache, die einem völlig anderen Sprachstamm als die indogermanischen Sprachen entstammt, entwickelte sich in nahezu völliger Isolation und formte im Laufe der Zeit ihre eigenen Merkmale. Eines davon ist der Reichtum an Vokalen, denn die Konsonanten werden fast immer von Vokalen begleitet. Ein weiteres Merkmal ist die Häufigkeit von Konjunktionen in einem Satz. Japanisch ist eine agglutinierende Sprache, und die Wiederholung bedeutungsloser formaler Wörter schwächt die Ausdruckskraft und lässt nur geringe Veränderungen in der Wortfolge zu. Es gibt zwar noch weitere Unterscheidungsmerkmale, aber die Häufigkeit von Enklitika und formalen Wörtern sowie der hohe Vokalanteil in den einzelnen Wörtern sind die wichtigsten.
Bei der Übersetzung eines Joruri, eines halblyrischen Dramas wie des Chūshingura, das reich an Wortspielen ist, gibt es weitere Schwierigkeiten.
Im japanischen Lautsystem, das wie bereits erwähnt kaum Konsonanten aufweist, die ohne Vokale auftreten, ist die Silbenvielfalt gering, und dementsprechend auch die Anzahl ihrer Kombinationen, was zu einer Vielzahl homonymer Wörter führt. Die Übereinstimmung oder Ähnlichkeit des Klangs wird genutzt, um Wörter zu bilden, die mehrdeutig sein können. Oft werden wohlklingende und anmutige Sätze direkt aus der Literatur vergangener Zeiten übernommen und so geschickt eingefügt, dass man keinerlei Unstimmigkeit im so entstandenen Mosaik bemerkt. Dennoch ist es, sofern man mit der verwendeten Literatur nicht vertraut ist, schwierig, den Sinn der Passagen zu erfassen, in denen sie vorkommen. Diese Besonderheiten finden sich in allen lyrischen Werken und erschweren die Übersetzung in eine europäische Sprache erheblich. So verliert beispielsweise der achte Akt des Chūshingura, der aus Sätzen und Wendungen dieser Art besteht, in der englischen Übersetzung komplett diese japanische Eigenschaft.

... Fortsetzung folgt.


Anmerkungen

Kanadehon Chūshingura

仮名手本忠臣蔵
Kanadehon heisst wörtlich übersetzt "Übungsbuch 手本" für "Kana 仮名" (wie z.B. Hiragana)
Chūshingura heisst "loyale 忠" "Gefolgsleute 臣" "Schatzhaus 蔵"

Der seltsame Titel Kanadehon mag der poetischen Freiheit der Autoren geschuldet sein, dient vielleicht nur zur Verwirrung der Obrigkeit oder aber bezieht sich auf eine Dichtung, die dem westlichen Leser nicht bekannt ist.
Heute wird für das Stück meist nur die Bezeichnung Chūshingura verwendet.

Lautvorrat des Japanischen

Am Beispiel der Basis-Hiragana- und Katakana-Tafel.
Der einzige alleinstehende Konsonant ist "n", alle anderen Silben sind Kombinationen von Konsonanten und Vokalen.

Enklitika

Ein Klitikon (Plural: Klitika), ist ein Begriff aus der Sprachwissenschaft und bezeichnet ein unbetontes oder schwach betontes Morphem, das weniger selbständig ist als ein Wort, da es sich an ein benachbartes betontes Wort lautlich anlehnen muss.
Beispiele aus dem Deutschen sind: „Haste se gesehen?“ statt "Hast du sie gesehen?" oder „vorm Haus“ statt "vor dem Haus".
Man unterscheidet zwischen Proklitika, die sich an das folgende Wort anlehnen, und Enklitika, die sich an das vorangehende Wort anlehnen.
Ein sehr altes Enklitikon, welches den alten Lateinern und auch den Touristen in Rom bekannt sein mag, ist das "-que" in: "Senatus Populus-que Romanus" statt "Senatus et Populus Romanus", frei übersetzt "Senat und Volk von Rom". Die Abkürzung SPQR findet sich auf den Kanaldeckeln von Rom.
Die zahlreichen Enklita im Japanischen, von denen Inoue spricht, sind vor allem Satzpartikel wie "wa", "ga", "wo", "no", "ni", "to" etc., welche an ein Nomen angehängt den Kasus markieren bzw. wie Präpositionen wirken.
Beispiel: 田中さん27歳会社員で、東京郊外団地住んでいます。
"Frau Tanaka ist eine 27 Jahre alte Büroangestellte, die in einem Wohnkomplex in einem Vorort von Tokyo wohnt."