Von Ame-no-torifune zu funakogi

天の鳥船の行から船漕運動まで

Ame-no-torifune-no-gyō

Ame-no-torifune-no-gyō (天の鳥船の行) ist eine shintoistische Praxis. Der Name Torifune ("Vogel Boot") erscheint bereits im Kojiki (um das Jahr 712 u.Z.), einer der ältesten Chroniken Japans. Ame no Torifune no kami ist eine Gottheit, die aus dem Schöpfungspaar Izanagi und Izanami hervorgegangen ist.
In den Mythen ist Ame no Torifune zugleich „himmlisches Vogelboot“ und eine Personifikation dieses göttlichen Schiffes, das als Schutzgottheit besonders für Schiffsreisen verstanden wird. Dies spiegelt wohl die zentrale Rolle von Booten im alten Inselreich Japan wider und vielleicht auch die Tatsache, dass die Besiedlung Japans übers Meer erfolgte.
In der shintōistischen Praxis wird Torifune als rituelle Ruderbewegung (funakogi) vor allem im Kontext von Misogi verwendet. Dabei soll die rhythmische Bewegung Atem, Körper und Geist ordnen und für die Annäherung an die Kami vorbereiten. Später dient Torifune gemeinsam mit Furitama (Schütteln der vor dem Hara gefalteten Hände) als Mittel zur Aktivierung von Ki und zur Sammlung des Bewusstseins im Hara.

Traditionell

Das Video zeigt die gesamte shintoistische Übung. Es gibt Anrufungen der Götter, Ruderbewegungen mit unterschiedlichen Lauten, Misogi mit kaltem Wasser und Schneidebewegungen mit einer Hand. Die gesamte Sequenz wird auch als Chinkon kishin (鎮魂帰神) bezeichnet. Chinkon (鎮魂), bedeutet „den Geist beruhigen oder zur Ruhe bringen“. Es ist in seiner Bedeutung ähnlich wie „vereinigen“ [toitsu]. Man konzentriert oder vereint seine Gefühle, Gedanken und seinen Geist. Kishin (帰神) bedeutet „zu den Kami zurückkehren“. Man vereint seinen Geist mit der Grossen Natur, mit allem.
Die Aufnahmen wurden im Januar 2018 im Sakae no Yashiro Schrein in der Stadt Fukui gemacht. Fukui-shi liegt in Westjapan am Meer und es besteht eine Städtepartnerschaft u.a. mit Winsen an der Luhe (südlich von Hamburg).

Im Aikido

Shirakawa Katsutoshi (*1946) ist ein Shihan des Aikido und ein shintoistischer Priester. Er zeigt hier die gesamte Sequenz ohne Wassermisogi, mit Anrufung der Götter, mit Furitama (Vibrieren der Hände vor dem Zentrum), mit Schneiden und mit Atemübungen am Schluss. In mehreren Aikidostilen werden ähnliche Abfolgen regelmässig zu Beginn des Trainings praktiziert.
Shirakawa Katsutoshi ist der Vater von Shirakawa Ryuji (*1980), ein auch über YT sehr bekannter jüngerer Aikidoka.

Erklärungen

Im Buch "Journey to the Heart of Aikido" erläutert Motomichi Anno (*1931) wie er selbst diese Übung versteht.

Die Torifune Übung
Ich glaube, Torifune (die Ruderübung) wird in Japan seit der Antike praktiziert, doch ihr Wert wird noch immer wenig erkannt. Man könnte sagen, Torifune ist die Grundlage von Bewegung und Technik. Beim Torifune-Üben trainieren wir Herz und Körper. Wir atmen bewusst und werden gesünder. Torifune fördert die Gewichtsverlagerung, die Hüftdrehung und kultiviert Kokyu Ryoku: die Atemkraft. Auch die „Ei-ho, Ei-ho“-Laute, die wir mit der Torifune-Bewegung erzeugen, stärkt die Atemkraft.
Der Kern des Torifune-Trainings ist das Atmen. Aus- und Einatmen, während die Hüfte gestärkt und stabilisiert wird. „Atemkraft“ ist mehr als der eigene Atem. O-Senseis Lehre handelte davon, eins mit den Kami – eins mit der Natur – zu werden. Man kann die Atemkraft gemeinsam mit anderen und mit der Natur entwickeln. Beim Einatmen nimmt man alles auf. Man wird eins. Dann atmet man mit einem Gefühl der Liebe aus. Dieses Gefühl der Liebe zu allem ist die Grundlage.
Ob man ein- oder ausatmet, letztendlich ist es dasselbe Gefühl: Dankbarkeit. Ist es nicht natürlich, dankbar zu sein, wenn man all die Wunder des Universums in sich aufnimmt? Und wenn man mit dem Ausatmen all das Empfangene zurückgibt, ist auch das ein Gefühl der Dankbarkeit.
Am wichtigsten ist der Zustand des Geistes. Ich spüre, dass mein Geist in der Mitte meines Hara [Bauch] ruht. Der Nabel ist der Ort, an dem wir alle ursprünglich mit unseren Müttern verbunden waren. Er ist der Ursprung, die Quelle meines Lebens; ich spüre ihn als mein Zentrum. Meine Absicht ist es, eins zu werden mit der Natur, mit dem Universum, mit Kami.

Ueshiba

Ausschnitte aus Videoaufnahmen im Hombu Dojo aus den 1960er Jahren.
Während Ueshiba Morihei die Übungen schon in eher aufrechter Haltung ausführt, beugt sich Ueshiba Kisshomaru traditionell nach vorne unten.
„Aikido ist Misogi, die Reinigung von Körper und Geist, ein Weg, die Welt zu reformieren und zu verändern. Ich zeige meine Techniken, um diejenigen zu ermutigen, die wenig Glauben haben.“ (Ueshiba Morihei)

Tohei Koichi - Funakogi

Tohei Koichi verwendet die Übung als gymnastische Vorbereitung auf die Aikidotechniken. Sie heisst jetzt funakogi (船漕ぎ , Boot rudern). Er schreibt in seinem Buch "Aikido the Arts of Self-Defense":

… einen halben Schritt mit dem linken Fuss nach vorn machen …
Bei „Eins“ die Hüfte (Koshi) nach vorn schieben, als wollten Sie Ihren Einen Punkt horizontal nach vorn verlagern, und die Arme kraftvoll nach vorn strecken, die Handgelenke dabei gebeugt halten. Der Oberkörper bleibt aufrecht, weder nach vorn noch nach hinten gebeugt. Die Arme werden nicht so sehr nach vorn gestossen, sondern werden eher mit dem Gefühl, Ki aus der Hüfte auszustrahlen, nach vorn geführt. Das rechte Bein sollte locker nach hinten gestreckt sein.
Bei „Zwei“ die Hüfte zurückziehen und gleichzeitig die Handgelenke zu den Hüften zurückführen. Es sollte ein Zurückziehen mit der Hüfte und nicht mit den Armen sein. Das rechte Bein ist nun leicht gebeugt und das linke gestreckt.
Beachten Sie, dass diese Übung mehr für die Hüfte als für die Arme gedacht ist.

Yoshigasaki 2019 - Funakogi

Yoshigasaki Sensei unterrichtet eine ganz andere Form als jene, die wir oben gesehen haben. Das ist offensichtlich an die Partnerübung angepasst, bei welcher Uke die Handgelenke von Nage ausbremsen will.
Der Rhythmus 1 beginnt mit den Armen schon etwas ausgestreckt. Die Hände gehen nach vorne und machen für den Rückweg einen Bogen nach oben. An der höchsten Stelle endet 1.
Bei Rhythmus 2 schwingen die Hände nach unten zur Hüfte und weiter nach oben und nach vorne. Dort endet 2.
Ab hier soll Uke nicht mehr gegenhalten. Die Hände gehen leicht nach vorne und dann erst beginnt wieder der Rhythmus 1.
Der eher mechanische Rhythmus, welcher bei 1 am weitesten Punkt vorne endet und bei 2 an der Hüfte, gilt ihm als Punktmathematik. Die vom ihm vorgeschlagene Form sei Mathematik der Formen.