Kagamibiraki in Wien

09.01. - 11.01.2026

Bericht von Ryan Jepson

Seminar in Wien 01/2026

Gruppenfoto



Wien Januar 2026

Bernhard konnte dieses Jahr leider nicht kommen, da er und seine Frau am selben Wochenende beim Neujahrsempfang der Gemeinde Balerna (CH) für ihre Verdienste im Rahmen des Aikido anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Dojos offiziell geehrt wurden. Da keine Prüfungen anstanden, war dies kein Problem. Ich kenne Francesco und Matteo bereits von Furusato, Bosco Gurin, Balerna und vielen anderen Seminaren. Hájek Sensei ist seit vielen Jahren ein regelmäßiger Lehrer und eine feste Größe in unserem Dojo.

Da das Wiener Dojo keine eigenen Räumlichkeiten besitzt, fanden die bisherigen Seminare alle an verschiedenen Orten in der Stadt statt. Für 2026 wurde beschlossen, das gleiche Thema und das gleiche Wochenende wie 2025 beizubehalten: Kagami Biraki, das Neujahrs-Aikido-Seminar.

Dojo Porzellangasse

Aufgrund des großen Interesses im letzten Jahr wurde eine größere Location gesucht. Das Sportzentrum Stadtbahnbogen der Sport Union Wien war schon das ganze Jahr über reserviert gewesen, stand dann aber kurzfristig nicht mehr zur Verfügung.
Glücklicherweise wurde uns für das Wochenende eine andere Location in der Porzellangasse 14–16 im historischen Servitenviertel im 9. Wiener Gemeindebezirk angeboten, die sich als gut geeignet erwies. Das Karate-Dojo in der Heindlgasse diente als Trainingsstätte am Freitagabend und als Unterkunft übers Wochenende für die Gäste.

Die Donau

Francesco kam am Donnerstagabend in Wien an, und es blieb noch Zeit für einen Besuch in einem traditionellen Gasthaus mit Brauerei. Am Freitag trafen wir uns zu einem Spaziergang an der winterlichen, teilweise zugefrorenen Donau.
Wir trafen uns mit Matteo an der Neuen Donau und gingen hinüber zur Alten Donau, die seit der Regulierung der Auen und dem Ausheben der neuen Hauptrinne der Donau von 1870 bis 1875 ein Altwasserarm ist. Auch dieser war größtenteils zugefroren und hatte einige Leute aufs Eis gelockt. Am Wochenende mussten mehrere Personen gerettet werden, nachdem sie durch das dünne Eis eingebrochen waren.
Anschließend aßen wir in einem traditionellen Restaurant mit österreichischer und mitteleuropäischer Küche in der Prager Straße im Stadtteil Floridsdorf zu Mittag. Das Gebiet nördlich der Donau (lokal als "Transdanubien" bezeichnet, früher mit einem gewissen Unterton) verdeutlicht die historische und geografische Nähe zu Tschechien, d.h. zu Mähren und Böhmen, was sich auch in den Straßen- und Ortsnamen widerspiegelt.

Dojo Heindlgasse

Am späten Nachmittag wurden zusätzliche Tatami ins Dojo in der Porzellangasse gebracht. Fast alle Gäste waren pünktlich eingetroffen. Ein Teilnehmer aus Wien suchte das Dojo vergebens unter einer Phantasieadresse im 1. Bezirk, und Marko und Laura reisten mit dem Nachtbus aus Zagreb bzw. Erlangen an. So konnte das Training pünktlich beginnen.
Gegen Ende der Woche waren die Temperaturen stark gefallen, und in Mitteleuropa fiel weiterhin etwas Schnee (小雪, leichter Schneefall). Der wärmende Holzofen in der Heindlgasse war uns sehr willkommen.

Francesco begann mit einer Übung zur Stille und bezog sich dabei auf das Konzept von "Mokusō" (黙想). Weitere Themen waren korrektes Ukemi, und am Beispiel von Zagi Ryotedori Kokyunage und Katatedori-Techniken wie man die erste Verbindung zu Uke aufbaut.

Samstagmorgen

Am Samstag und am Sonntag trainierten wir in den schönen Räumlichkeiten in der Porzellangasse. Dort hatten wir rund 100 m² Tatami ausgelegt.

Der Samstag- und der Sonntagmorgen begannen jeweils früh mit Misogi.
Es folgte eine Teepause mit selbstgemachten mochi (kleine runde Reisküchelchen), die einige Wiener Aikidoka gemeinsam zubereitet hatten. Ausserdem gab es Kuchen von Karel und Sencha Tee.

Das Morgentraining leitete dann Francesco. Er unterrichtete Katatedori und Bokken.

Kagami Mochi

Manja hatte die Shomen (Frontpartie im Dojo) mit einem Origami in Form eines Kagami Mochi geschmückt.
Dabei wird normalerweise auf zwei mochi eine daidai (橙, japanische Bittermandarine) aufgesetzt.
Dieser Komposition wohnt über ein Wortspiel eine bestimmte Symbolik inne.
Das japanische Wort für "Generation" ist dai (代). Verdoppelt man das Wort zu daidai, geschrieben 代々 (das zweite Symbol ist das Verdoppelungszeichen), so bedeutet es "Generation auf Generation". Die Anordnung soll also die kontinuierliche Aufeinanderfolge der Generationen symbolisieren und ist eine traditionelle Neujahrsdekoration.

Samstag Fortsetzung

Das Mittagessen nahmen wir in einem historischen Lokal namens "d’Landsknecht" direkt gegenüber dem Dojo ein, das klassische Wiener Küche anbot. Man stellte uns einen Tisch zur Verfügung, der groß genug für 13 von uns war, während Max und Maximilian einen Eintopf für den Abend zubereiteten.
Hájek Sensei leitete die Nachmittagseinheit und behandelte die Tszukiwaza 11 und 25, da mehrere Shodan-Kandidaten anwesend waren.
Am Abend fand im Dojo eine kleine Feier statt, und dank des Engagements aller sorgten Essen, Getränke, Musik und Spiele für ausgelassene Stimmung. Sogar eine Runde des Geisha-Trinkspiels "Konpira Fune Fune" wurde gespielt.

Sonntag

Auch am Sonntag standen Bokken und Jo im Mittelpunkt des von beiden Lehrern geleiteten Trainings.

Wir möchten uns bei den Lehrern und den Teilnehmern für ihren Beitrag zu diesem Treffen bedanken.

Das zweite Wochenende im Jahr 2027 ist bereits für die nächstjährige Kagami Biraki reserviert.

Francesco Ingemi

betreibt sein Dojo in Vercelli (www.ronin-kiaikido.it) und bietet Kurse für Erwachsene und Kinder an. Er arbeitet eng mit den zahlreichen lokalen und regionalen Dojos in der Lombardei, im Piemont, in Bologna und im Tessin zusammen. Durch seine Verbindung zu Shihan Peloni ist er zudem gut mit Süditalien vernetzt, und über UISP, einen der gößeren nationalen Sportverbände, verfügt er über weitere Kontakte. Er hat umfangreiche Erfahrung im Ki-Aikido in Italien und hat sehr oft die Seminare von Yoshigasaki Doshu in ganz Europa besucht. Seine berufliche Tätigkeit als Physiotherapeut ist eine ideale Ergänzung zum Aikido und vice versa.

Michal Hájek

betreibt sein Dojo in Prag, Tschechische Republik (www.ki-aikido-praha.cz.). Er hat über ein Jahrzehnt Aikikai trainiert, bevor er Yoshigasaki Doshu kennenlernte und sich für dessen Lehre zu interessieren begann. Er hat zahlreiche Seminare in seinem Prager Dojo organisiert und ist viel in Europa gereist, um an Seminaren teilzunehmen und dort zu unterrichten. Er veranstaltet in der Regel mindestens viermal jährlich Aikido- und Baionshomyo-Treffen. Darüber hinaus ist er versiert in japanischer Kalligrafie, Sprache und Kultur und promovierter Physiker.


Konpira fune fune

Konpira fune fune (金毘羅 船々) ist ein "Party-"Spiel, welches mit Geisha bzw. Maiko gespielt wird. Konpira ist ein berühmter Shinto-Schrein in Shikoku, der dem Schutz der Seeleute und der Schiffe gewidmet ist. 800 Stufen führen den langen Weg zum Schrein hinauf. Fune bedeutet "Schiff".
Geisha (芸者, "Person der Künste") und Maiko (舞妓, "Kind des Tanzes", = Geisha Lehrling) spielen dieses Spiel mit ihren Gästen.
Spielregel: Wenn die Schachtel auf dem Tischchen steht, muss sie mit der flachen Hand berührt werden (Papier), wenn die Schachtel weg ist, muss das Tischchen mit der geschlossenen Faust berührt werden (Stein). Wer verliert muss einen Schluck Sake trinken. Das Spiel wird solange fortgesetzt bis die Personen ausreichend angeheitert sind.
Der Videoausschnitt stammt von YT. Die ursprüngliche Herkunft ist unklar; im Hintergrund sind Erklärungen auf Deutsch zu hören.

Konpira fune fune - Songtext

金毘羅 船々 Konpira Funefune --- Konpira Schiff Schiff
追い手に 帆かけて Oite ni hokakete --- Setzt die Segel
シュラシュシュシュ Shurashushushu --- La, La, La, La
回れば 四国は Mawareba Shikoku wa --- Wenn wir um Shikoku fahren
讃州 那珂の郡 Sanshuu Nakanogori --- (alte Orts- und Provinznamen)
象頭山 金毘羅大権現 Zōzusan Konpira Daigonken --- (Konpira auf dem Berg Zōzu, Daigonken ist die Gottheit)
いちど まわれば Ichido mawareba --- Und nochmal von vorne


Weitere Fotos

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